ITALIEN 7 Pack Rats, Marie Kondo, and Storage Wars: Haben, Sein und die Amis Das lässt sich sicherlich mal gebrauchen, wegwerfen kann man ja immer, ich bin halt Jäger und Sammler. Was auch immer die Entschuldigung für die Anhäufung von Krimskrams sein mag, sie wirken selbst in Generationen, die nie materielle Not am eigenen Leib erfahren haben müssen. In den USA nennt man solche Leute „Pack Rats”, was ein wenig abfällig gemeint und ein Hinweis darauf ist, dass jemand es nötig habe, Dinge aufzubewahren, die gerade oder schon länger nicht mehr im Gebrauch sind. Es mag auch ein Ergebnis der sog. „Consumer Culture” sein, dessen Credo des „mehr und mehr und gleichzeitig immer billiger” in Deutschland schon in den 1970er Jahren Philosophen vom Schlage eines Erich Fromm auf den Plan gerufen haben, der da rief: „Kehrt um, all das Haben hindert euch am Sein!” Oder so ähnlich. In den USA war Generationen später aus Erich Fromm eine Marie Kondo geworden, eine japanische Organisationsberaterin, Autorin und Fernsehmoderatorin. Sie hat sich der westlichen Welt und hier besonders den Amis durch die Entwicklung der KonMari-Methode unvergesslich gemacht, einer Aufräummethode, bei der nur Gegenstände behalten werden, die „Freude machen“. Durch das von ihr empfohlene „Magic Cleaning” würde das Leben verändert, wobei unausgesprochen blieb, ob nun zum Besseren oder zum Schlechteren. Weil man das ja nie so genau wissen kann, wussten die Amis, ging der Trend eher nicht zur Entsorgung der weniger Freude bereitenden Gegenstände, sondern zur Entfernung aus dem unmittelbaren Gesichtskreis und damit zur Einlagerung. Wie Pilze aus dem Boden schossen Unternehmen wie CubeSmart, SelfStorage oder PODS, die als sog. „Franchise-Unternehmen” Konzessionen einschließlich Design und Marketing an unternehmerisch ehrgeizige Menschen vergeben. 30 Kubikmeter klimatisierter und trockener Lagerraum für schlappe 200 Dollar im Monat, plus Steuer. Vor allem in Ballungsgebieten wie New York City, dort wo die Schränke klein sind und weder Kellerräume noch Dachböden vorhanden, machen Lagerhäuser mittlerweile einen beträchtlichen Anteil des Immobilienbestands aus, und wenn immer ein Ladengeschäft einer Warenhauskette schließt, weil sich die Leute ihren Kram lieber von Amazon ins Haus liefern lassen, wird das Gebäude in einen kommerziell betriebenen „Storage Space” umgewandelt und damit in tausende private Rumpelkammern. Die sind blickdicht verschlossen. Klar, Schutz der Privatsphäre und so, aber auch und in Wirklichkeit – wir sind ja schließlich in den USA – Teil des Geschäftsmodells. So ein Storage Space trägt sich ökonomisch betrachtet selbst, das heißt, die Mieten für die Rumpelkammern decken Personalkosten, Versicherung, Energie, Steuern und was sonst noch so an Aufwand betrieben werden muss. Als Umsatzrendite bleibt da erst einmal wenig beim Investoren hängen, und für Wenig finden Konzessionsgeber wie CubeSmart keine Konzessionsgeber. Da muss schon richtig was bei rumkommen, sonst könnten Unternehmer ja bei McDonalds oder Krispy Kreme einsteigen. Die Maraschino-Kirsche auf dem „Storage Space”-Kuchen ist die nicht unerhebliche Chance, dass jemand mal seinen Pröttel in der Rumpelkammer und auch die Überweisung der RumpelMiete für länger als drei Monate vergisst. Dann geht der Inhalt der Rumpelkammer entschädigungslos an den Betreiber des Storage Space über und der hat dann zwei Möglichkeiten: Einmal den Kram kleinteilig über E-Bay verhökern oder den gesamten Inhalt en gros die Nahrungskette runterreichen. Letzteres empfiehlt sich vor allem, wenn man einen Bieterstreit anzetteln kann, einen „Storage War”. Das ist eine Wundertüte für Erwachsene, die einen kurzen Blick durch die Tür auf den gesammelt Pröttel werfen dürfen. Man würde an die menschliche Vernunft glauben, vielleicht sogar an Erich Fromm, würden sich da nicht vernunftbegabte Menschen gegenseitig mit Geboten in die Höhe treiben, nur, um als Gewinner*in aus der Versteigerung hervorzugehen. Sie haben bestimmt alle die Fernsehserie „Storage Wars” gesehen und hofften auf das große Los in Gestalt zum Beispiel eines der als verschollen, weil gestohlen geltenden Meisterwerke der Kunstgeschichte. Sehr viel häufiger finden Gewinner*innen von solchen Versteigerungen allerdings Bücher der Frankfurter Schule, oder eine Erstausgabe von The Life-Changing Magic of Tidying Up von Marie Kondo. Friedrich-Engels-Allee 185 • 42285 Wuppertal-Unterbarmen geöffnet: Mo.-Sa. 17-23 Uhr • So. geschlossen ...bei uns ist der Kaiserwagen schon am Start: Kommen Sie, steigen Sie ein, machen Sie eine kleine Rundfahrt. Von Muscheln über Calamares nach Spaghetti und zurück... Schmuddelwetter? Nun mal ein bischen zügig WSW...
RkJQdWJsaXNoZXIy NDk1NjA=