ITALIEN 15 DIE PHÄNOMENE DES DR.DUDROP Heute: Zur Phänomenologie der Unterhose Die Unterhose ist ein unter der Hose getragenes Textil. Bei der Ankleide muss man dort hinein schlüpfen. Deshalb nennt der Volksmund die Unterhose auch gerne „Schlüpfer“. Sie wird von allen Geschlechtern getragen (m,w,d), und auch von Hunden, wie das Karlie Hundehöschen „Jolly“ bezeugt. Die Unterhose wird sowohl in der Langform bereitgestellt, vom Fußgelenk bis zur Hüfte, wie auch in der Kurzform, Slip genannt. Denn das „Slip-in“ als Notwendigkeit des Hineinschlüpfens ist gerade dem Engländer durchaus bewusst. Auch wenn der ehemalige Prinz Andrew Mountbatten-Windsor vor allem an der Möglichkeit des „slip out“ interessiert gewesen sein dürfte. Die Verwendung des in diesem Zusammenhang naheliegenden Titels des „Schlüpferstürmers“ (engl. knicker-dropper) ist indessen obsolet. Nach einem Urteil des BGH vom 18.05.1995 gilt diese Bezeichnung als sittenwidrig. Zurück also zur Unterhose. Zwischen Bauchnabel und Sprunggelenk sind unendlich viele Formen realisierbar - ganz nach den Körperproportionen, die sie zu schmücken oder zu verdecken haben. Oder gerade nicht bedecken sollen, wie der „String“, der eigentlich keine Hose ist, sondern seine Negation. Ob ein beinloser Schlüpfer tatsächlich die Kriterien einer Unterhose erfüllt, sei dahingestellt. Das wäre ja so, wenn dem „Nichts“ die Qualität eines „Etwas“ zugebilligt würde. Den Trikotagenherstellern ist das aber egal, ebenso wie vielen Philosophen. Jedenfalls bemüht sich im Unterhosenkosmos der aus der südamerikanischen Tupi-GuaraniSprache entlehnte Tanga (= Lendenschurz) eifrig um einen gewissen Verhüllungseffekt. So ist die Unterhose ein ausgesprochen vielseitiges Textil, was Form, Struktur, Funktion, Verwendungszweck und Geschichte angeht. Von den Eskimos wird berichtet, dass sie in ihrer klassischen Zeit Karibu-Felle als Unterhose mit der Haardecke nach innen trugen, darüber dann die eigentliche Hose, mit dem Pelz nach außen. Zu Hause im Iglu legte die traditionelle grönländische Inuit-Frau jedoch einen Robbenfell-Tanga an, genannt Naatsit, Modell für die späteren String-Tangas. Der Naatsit wiederum eignet sich in den gemäßigten Klimaten nicht als Unterwäsche, weshalb die Firma Schießer seit jeher auf Pelzmaterial verzichtet und Feinripp verarbeitet: Diese Variante zeichnet sich durch eine feine, engmaschige Rippstruktur aus. Sie wird aus abwechselnden Links- und Rechtsmaschen gestrickt und wirkt dadurch glatt und dezent. Feinripp liegt angenehm auf der Haut und ist ideal für körpernahe, schlichte Unterhosen. Nun eignet sich das schlichte Design vielleicht noch für ältere Herrschaften oder die weniger modebewussten Mitarbeiter traditioneller Familienunternehmen im rechtsextremen Politsegment. Die jungen dynamischen Bewohner westlicher Großstädte hingegen bevorzugen fesche und farblich aufregende Unterhosen, die längst ihre altbackene Terminologie hinter sich gelassen haben und jetzt Dessous genannt werden. Für den Herrn gibt es da Spitzenhöschen in den Farben Bleu und Rosé, aber auch knallharte maskuline Formen mit Testicle Bags und Dual Ball Pouch Trunks mit fliegendem Verschluss ($ 19,90). Von ungleich größerer Formenvielfalt ist natürlich die Unterhose für das weibliche Geschlecht: Panties, Cheekies, Shorts und Hipster, Langbeinschlüpfer und Taillenslips. Nicht zu vergessen die beliebten Bauch-Weg-Modelle der Firma Triumph. Längst gilt die Unterhose als Statussymbol und textiles Aphrodisiakum - das wussten nicht nur die Inuit-Frauen, sondern auch Herr Grupp von Trigema. Allerdings ist damit wohl ihr immer noch etwas schlüpfriges Image verbunden: Sehr bedauerlich, denn die Unterhose ist ein Lebens-Elixier für den täglichen Gebrauch und Wechsel. Von Andy Moundbatten war zu hören, dass er bei seinen jüngsten Eskapaden in britischer Haft keine Unterhosen zum Wechseln erhielt („Undie-Arrest“). Das wurde von der örtlichen Presse als Skandal angesehen. Ob das in Wuppertal besser läuft und die Wäscheabteilung der Justizvollzugsanstalt Simonshöfchen genügend Höschen bevorratet, könnten Sie bei Herrn Stefan Richter erfahren, dem zuständigen Seelsorger und Gefängnispfarrer.
RkJQdWJsaXNoZXIy NDk1NjA=